Wie verbessert man die Content Experience auf Unternehmenswebsites effektiv?
- Alexandra Ullrich
- 28. Dez. 2025
- 7 Min. Lesezeit

Viele Unternehmenswebsites haben ein ähnliches Problem: Die Inhalte sind fachlich korrekt, gut gemeint und teilweise sogar hochwertig – und trotzdem bleiben Orientierung, Wirkung und Conversion hinter den Erwartungen zurück. Besucher:innen klicken sich durch Seiten, lesen an, springen ab oder finden nicht das, was sie eigentlich gesucht haben. Das liegt selten am fehlenden Content, sondern fast immer an einer schwachen Content Experience.
Content Experience beschreibt, wie Inhalte wahrgenommen, verstanden und genutzt werden. Auf Unternehmenswebsites ist sie besonders entscheidend, weil Angebote erklärungsbedürftig sind, Zielgruppen unterschiedlich ticken und Entscheidungen selten spontan getroffen werden. Wer hier Inhalte einfach nur „bereitstellt“, überlässt Wirkung und Verständnis dem Zufall.
Eine gute Content Experience führt Nutzer:innen gezielt durch Inhalte, gibt Orientierung, setzt Inhalte in den richtigen Kontext und hilft dabei, Entscheidungen vorzubereiten. Sie denkt nicht in einzelnen Seiten, sondern im Zusammenspiel aus Struktur, Sprache, Reihenfolge und Nutzerintention.
In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du die Content Experience auf deiner Unternehmenswebsite effektiv verbesserst – mit konkreten Hebeln, einem klaren Vorgehen und ohne Content-Masse oder Tool-Overkill. Ziel ist nicht mehr Inhalt, sondern mehr Wirkung.
Was bedeutet Content Experience auf Unternehmenswebsites?
Content Experience auf Unternehmenswebsites beschreibt das Gesamterlebnis, das Nutzer:innen mit den Inhalten einer Website haben – von der ersten Orientierung bis zur Entscheidungsfindung. Entscheidend ist dabei nicht nur, was gesagt wird, sondern wie, wann und in welchem Kontext Informationen vermittelt werden.
Gerade Unternehmenswebsites stehen vor besonderen Herausforderungen: Sie müssen erklären, überzeugen, Vertrauen aufbauen und gleichzeitig unterschiedlichste Zielgruppen abholen. Content Experience sorgt dafür, dass diese Anforderungen nicht in Beliebigkeit oder Überforderung enden.
Abgrenzung: Content, UX und Content Experience
Content Experience wird häufig mit UX oder Design verwechselt. Dabei erfüllen diese Bereiche unterschiedliche, aber eng miteinander verbundene Aufgaben:
Content beantwortet Fragen und vermittelt Informationen
UX sorgt für Bedienbarkeit, Klarheit und Interaktion
Content Experience verbindet beides und ergänzt es um Kontext, Struktur und inhaltliche Führung
Eine Website kann visuell ansprechend und gut bedienbar sein – und trotzdem inhaltlich orientierungslos wirken. Content Experience schließt genau diese Lücke.
Warum Unternehmenswebsites besondere Anforderungen haben
Im Vergleich zu Blogs oder Kampagnen-Landingpages müssen Unternehmenswebsites deutlich mehr leisten:
Sie adressieren mehrere Zielgruppen gleichzeitig
Leistungen und Produkte sind oft komplex oder erklärungsbedürftig
Entscheidungsprozesse sind länger und seltener linear
Inhalte müssen Vertrauen und Kompetenz transportieren
Content Experience hilft dabei, diese Komplexität zu strukturieren. Sie sorgt dafür, dass Nutzer:innen nicht alles auf einmal erfassen müssen, sondern schrittweise geführt werden – passend zu ihrer Intention und ihrem Vorwissen.
Typische Probleme auf Unternehmenswebsites
Die meisten Probleme mit der Content Experience entstehen nicht durch fehlendes Engagement, sondern durch historisch gewachsene Strukturen, viele Beteiligte und fehlende inhaltliche Steuerung. Das Ergebnis sind Websites, die viel sagen – aber wenig führen.
Zu viel Content, zu wenig Orientierung
Unternehmenswebsites wachsen oft über Jahre hinweg. Inhalte werden ergänzt, aber selten konsequent hinterfragt oder neu strukturiert. Für Nutzer:innen bedeutet das:
lange Seiten ohne klare Einstiege
unübersichtliche Navigationen
zu viele gleichwertige Informationen
Statt Orientierung entsteht Überforderung. Gute Content Experience reduziert Komplexität – schlechte verstärkt sie.
Inhalte ohne klare Zielsetzung
Viele Seiten beantworten die Frage nicht: Was soll der/die Nutzer:in hier verstehen oder tun?
Typische Symptome:
beschreibende Texte ohne Nutzenfokus
fehlende oder unklare Call-to-Actions
Inhalte, die alles erklären wollen, aber nichts entscheiden helfen
Ohne klare Zielsetzung bleibt Content informativ, aber wirkungslos.
Wiederholungen und inhaltliche Brüche
Ein weiteres häufiges Problem sind Doppelungen:
gleiche Aussagen auf mehreren Seiten
ähnliche Texte mit leicht anderem Wording
widersprüchliche Botschaften
Das entsteht meist durch Silos zwischen Abteilungen oder fehlende Content-Governance. Für Nutzer:innen wirkt die Website dadurch unruhig und wenig vertrauenswürdig.
Fehlende inhaltliche Führung
Viele Unternehmenswebsites lassen Nutzer:innen allein:
kein Hinweis, wo es weitergeht
keine inhaltliche Dramaturgie
keine Verknüpfung zwischen relevanten Themen
Content Experience bedeutet, Nutzer:innen aktiv zu führen – nicht, sie suchen zu lassen.
Die wichtigsten Hebel für bessere Content Experience
Content Experience verbessert sich nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel weniger, aber entscheidender Hebel. Wer diese gezielt optimiert, erreicht oft schnell spürbare Effekte – ohne kompletten Relaunch.
Klare Struktur & Informationsarchitektur
Struktur ist der wichtigste Hebel überhaupt. Nutzer:innen müssen innerhalb weniger Sekunden verstehen:
wo sie sich befinden
was sie hier erwartet
wie es für sie sinnvoll weitergeht
Konkret bedeutet das:
klare Einstiegslogik auf Seiten
saubere Themencluster statt isolierter Seiten
nachvollziehbare Seitenhierarchien
klare Überschriften, die Orientierung geben
Gute Content Experience reduziert Denkaufwand – schlechte erhöht ihn.
Inhalte entlang der Customer Journey ausrichten
Nicht jede Seite muss alles leisten. Inhalte wirken stärker, wenn sie klar einer Journey-Phase zugeordnet sind:
Orientierung & Einordnung (Awareness)
Vertiefung & Vergleich (Consideration)
Sicherheit & Entscheidung (Decision)
Das verhindert:
Überforderung am Einstieg
inhaltliche Wiederholungen
unklare Zielsetzungen
Content Experience entsteht, wenn Inhalte zur richtigen Zeit die richtige Tiefe haben.
Verständliche Sprache & konsistente Tonalität
Viele Unternehmenswebsites verlieren Nutzer:innen durch Sprache:
zu technisch
zu abstrakt
zu marketinglastig
Bessere Content Experience entsteht durch:
klare, aktive Sprache
Nutzen statt Selbstbeschreibung
konsistente Tonalität über alle Seiten hinweg
Verständlichkeit ist kein Stilmittel – sie ist ein Conversion-Faktor.
Kontextuelle Verlinkung & inhaltliche Führung
Eine der meist unterschätzten Maßnahmen: inhaltliche Weiterführung. Statt Nutzer:innen nach dem Lesen allein zu lassen, sollte klar sein:
was der nächste sinnvolle Schritt ist
welches Thema anschließt
wo vertieft werden kann
Das gelingt durch:
gezielte interne Verlinkungen
inhaltlich begründete CTAs
Empfehlungen statt Navigation nach dem Zufallsprinzip
Content Experience bedeutet: führen, nicht suchen lassen.
Content Experience Schritt für Schritt verbessern
Eine bessere Content Experience entsteht nicht durch einen großen Relaunch, sondern durch gezielte, aufeinander aufbauende Maßnahmen. Dieses Vorgehen hat sich in der Praxis bewährt – gerade auf gewachsenen Unternehmenswebsites.
Schritt 1: Nutzer:innen & Ziele verstehen
Bevor Inhalte angepasst werden, brauchst du Klarheit über zwei Dinge:
Wer nutzt deine Website?
Was sollen diese Personen dort erreichen?
Hilfreich sind hier:
typische Fragen aus Vertrieb & Support
interne Suchanfragen
Feedback aus Kundengesprächen
Analytics-Daten (Einstiegsseiten, Absprünge, Verweildauer)
Content Experience beginnt immer mit Perspektivwechsel – weg vom Unternehmen, hin zu den Nutzer:innen.
Schritt 2: Content-Audit durchführen
Im nächsten Schritt schaust du dir an, was bereits da ist:
Welche Seiten gibt es?
Welche Inhalte erfüllen einen klaren Zweck?
Wo gibt es Dopplungen oder Lücken?
Welche Inhalte sind veraltet oder unklar?
Ziel ist kein Perfektionsanspruch, sondern Transparenz. Ein gutes Content-Audit zeigt schnell, wo Optimierung mehr bringt als Neuerstellung.
Schritt 3: Inhalte priorisieren statt erweitern
Ein häufiger Fehler ist, neue Inhalte zu planen, obwohl bestehende Seiten kaum wirken. Effektiver ist es:
zentrale Einstiegsseiten zuerst zu optimieren
Seiten mit hoher Sichtbarkeit oder hoher Absprungrate zu überarbeiten
Inhalte zu bündeln statt zu vervielfältigen
Content Experience wächst durch Fokus – nicht durch Masse.
Schritt 4: Seiten logisch umbauen
Jetzt geht es an die eigentliche Optimierung:
klarer Einstieg: Worum geht es hier – für wen?
saubere Dramaturgie: vom Überblick zur Vertiefung
klare Zwischenüberschriften
eindeutige Handlungsoptionen
Eine gute Seite fühlt sich geführt an – nicht wie ein Textblock.
Schritt 5: Messen, testen, optimieren
Content Experience ist nie „fertig“. Deshalb:
Nutzerverhalten regelmäßig auswerten
prüfen, ob Inhalte verstanden werden
testen, ob Weiterführungen genutzt werden
Schon kleine Anpassungen können große Effekte haben, wenn sie datenbasiert erfolgen.
Rolle von Technologie bei der Content Experience
Technologie entscheidet nicht darüber, ob Content Experience gut ist, aber darüber, wie gut sie sich umsetzen und skalieren lässt. Gerade auf Unternehmenswebsites mit vielen Inhalten, Zielgruppen und Touchpoints ist die technische Basis ein entscheidender Faktor.
CMS sinnvoll nutzen statt nur verwalten
Viele CMS werden vor allem als Ablageort für Seiten genutzt. Für bessere Content Experience lohnt es sich, das CMS strategischer einzusetzen:
Inhalte klar strukturieren (statt alles in Fließtexten zu verstecken)
wiederkehrende Inhalte konsistent pflegen
Seiten so aufbauen, dass sie leicht erweitert oder angepasst werden können
Ein CMS sollte Content führen helfen, nicht nur speichern.
Modularer Content als Grundlage
Modularer Content ist einer der wirkungsvollsten Hebel für Content Experience – auch ohne komplexe Systeme.
Das bedeutet:
Inhalte in sinnvolle Bausteine zerlegen (Einordnung, Nutzen, Details, Entscheidung)
diese Bausteine wiederverwenden
Tiefe und Umfang je nach Kontext variieren
So kann derselbe Inhalt:
auf einer Einstiegsseite erklären
auf einer Leistungsseite verdichten
in einer FAQ konkretisieren
Das sorgt für Konsistenz und spart langfristig Aufwand.
KI für Suche, Empfehlungen & Analyse
KI unterstützt Content Experience dort, wo Komplexität entsteht:
intelligente interne Suche, die Nutzer:innen schneller zu relevanten Inhalten führt
kontextuelle Empfehlungen, die nächste sinnvolle Schritte aufzeigen
Analyse von Suchanfragen und Nutzerintentionen, um Content gezielt zu verbessern
Wichtig: KI ersetzt keine Strategie. Sie verstärkt nur das, was strukturell bereits gut gedacht ist.
Wann eine DXP sinnvoll wird
Nicht jede Unternehmenswebsite braucht sofort eine Digital Experience Platform. Eine DXP wird dann relevant, wenn:
viele Inhalte kanalübergreifend ausgespielt werden
Personalisierung eine größere Rolle spielt
mehrere Systeme (CMS, CRM, Analytics) zusammenspielen sollen
Content Experience strategisch skaliert werden soll
Auch hier gilt: Strategie zuerst, Technologie danach.
Häufige Fehler bei der Optimierung der Content Experience
Auch mit guter Absicht werden bei der Optimierung der Content Experience oft dieselben Fehler gemacht. Wer sie kennt, spart Zeit, Budget und Nerven.
Fokus nur auf Design statt auf Inhalt
Ein neues Layout oder schickes Design kann Inhalte besser wirken lassen – löst aber keine strukturellen Probleme. Wenn:
Botschaften unklar sind
Inhalte nicht zur Journey passen
Orientierung fehlt
bleibt die Content Experience trotz neuem Design schwach. Inhaltliche Klarheit kommt vor Optik.
Zu viel auf einmal verändern
Ein kompletter Umbau aller Seiten wirkt ambitioniert, ist aber selten sinnvoll. Häufige Folgen:
Überforderung im Team
fehlende Vergleichbarkeit
keine klaren Lerneffekte
Besser: gezielt starten, testen, lernen und dann iterieren.
Technologie als Lösung für strategische Probleme
Neue Tools, KI-Features oder Systeme werden oft eingeführt, bevor klar ist:
welche Inhalte welchen Zweck erfüllen
welche Journey unterstützt werden soll
wo Nutzer:innen wirklich Probleme haben
Technologie verstärkt Strukturen – gute wie schlechte. Ohne Strategie verschärft sie Probleme eher, als sie zu lösen.
Fehlende Erfolgsmessung
Ohne Messung bleibt Content Experience ein Gefühl. Typische Lücken:
keine Ziele pro Seite oder Journey-Phase
Fokus nur auf Traffic statt Nutzung
kein Feedback aus Vertrieb oder Support
Content Experience wird erst wirksam, wenn sie beobachtet, bewertet und angepasst wird.
Wie bessere Content Experience SEO & KI-Suchen unterstützt
Content Experience zahlt direkt auf moderne Suchsysteme ein – klassisch wie KI-basiert.
Klare Strukturen als Ranking-Signal
Suchmaschinen bevorzugen Inhalte, die:
klar gegliedert sind
thematisch vollständig sind
Nutzer:innen Orientierung bieten
Gute Content Experience verbessert genau diese Signale – automatisch.
Inhalte als Antwortsystem statt Einzelseiten
KI-Suchen arbeiten nicht mit einzelnen Seiten, sondern mit inhaltlichen Zusammenhängen. Inhalte, die:
Fragen vollständig beantworten
logisch aufeinander aufbauen
intern sauber verknüpft sind
werden häufiger aufgegriffen, zusammengefasst oder zitiert.
Content Experience als Basis für KI-Zitierfähigkeit
KI-Systeme bevorzugen Inhalte, die:
verständlich formuliert sind
klaren Kontext liefern
nicht widersprüchlich sind
Content Experience macht Inhalte anschlussfähig – für Menschen und Maschinen.
Fazit: Content Experience ist kontinuierliche Optimierung
Content Experience auf Unternehmenswebsites entsteht nicht durch mehr Content, sondern durch bessere Führung, klare Struktur und relevanten Kontext. Wer Inhalte gezielt entlang der Nutzerintention gestaltet, erreicht:
bessere Orientierung
höhere Verweildauer
bessere Entscheidungen
nachhaltigere Sichtbarkeit
Der wichtigste Punkt: Content Experience ist kein Projekt mit Enddatum, sondern eine dauerhafte Aufgabe, die Schritt für Schritt wächst.
FAQ: Content Experience auf Unternehmenswebsites
Was ist der erste Schritt zur besseren Content Experience?
Die Nutzerperspektive verstehen: Fragen, Erwartungen und typische Entscheidungswege analysieren.
Brauche ich neue Inhalte oder bessere Struktur?
In den meisten Fällen bessere Struktur. Bestehender Content wirkt oft stärker, wenn er klarer aufgebaut ist.
Wie schnell zeigen sich Effekte?
Oft schneller als erwartet – erste Verbesserungen bei Orientierung und Nutzung sind häufig nach wenigen Anpassungen sichtbar.
Ist Content Experience auch ohne DXP umsetzbar?
Ja. Struktur, Sprache und Journey-Denken funktionieren unabhängig von der Systemlandschaft.